![]() |
||||||||||||
"Der Selketal-Stieg"
Nicht so “lieb und süß” wie die Ilse; “Minder zärtlich, [als die Bode] aber fröhlicher zeigte sich mir die schöne Selke, die schöne liebenswürdige Dame, deren edle Einfalt und heitere Ruhe die aber doch durch ein fein verstecktes Lächeln ihren neckenden Sinn verrät. … Und jetzt steht sie vor meiner Einbildung mit all ihrem stillen Liebreiz und scheint zu sagen: ‘Wenn ich auch lache, so meine ich es doch gut mit Ihnen, und ich bitte Sie, besingen Sie mich! ’...” [Aus Heinrich Heine: Die Harzreise] Eine neue Wanderroute im Unterharz - Der Selketalstieg -
Wer vom Unterharz spricht, denkt nicht nur an seine ausgedehnten Laub- und Mischwälder und an die hübschen Orte am Harzrand sondern auch und vielleicht besonders an das Selketal, das sich von der mittelalter-lichen Dorfstelle Selkenfelde zwischen Stiege und Friedrichshöhe bis nach Meisdorf auf einer Länge von etwa 50 km in west-östlicher Richtung durch den Harz zieht. Die abwechslungsreiche Schönheit dieses Tales machte allerdings in der Vergangenheit weniger von sich reden als solche Werbenummern wie Brocken, Hexentanz-platz, Rübeland, Bodetal, Harzer Hexenstieg usw. Der HVV (Harzer Verkehrsverband) schuf gemeinsam mit dem Harzklub, persönlichem Engagement und viel ehrenamtlicher Arbeit, dem finanziellen Beitrag der Tourismus-unternehmen und dafür ausgereichten Fördermitteln den “Selketal-Stieg”. Dieses neue “Produkt” für den Unterharztourismus mit dem Logo auf der Wegebe-schilderung wurde am 23. August 2006 nach 1½ jähriger Vorbereitung in der Selkemühle (auf Ballenstedter Territorium) eröffnet. Schon am 22. August starteten zwei Wandergruppen - eine von Stiege aus, die andere von Quedlinburg - nach Alexisbad bzw. Ballenstedt, wo sie übernachteten und am Tag der Einweihung in der Selkemühle zusammentrafen. Inzwischen ist auch schon eine Wanderkarte 1:50 000 “Selketal-Stieg” erschienen und im Buchhandel und bei den Tourist-Informationen erhältlich. Der Selketalstieg beginnt am HSB-Bahnhof Stiege und verläuft über Friedrichshöhe, Güntersberge, Straßberg, Silberhütte, Alexisbad, Mägdetrappe, Mägdesprung, die 4 Friedrichshämmer, Selkemühle, Thalmühle, Falken, Schlosshotel Meisdorf, Ballenstedt, Gernrode, Bad Suderode nach Quedlinburg und endet dort an der Carl-Ritter-Straße.
Wir beginnen am Schlossplatz. Durch die Holsteiner Straße bis zum Ende; bei dem alten Haus, auf das man zugeht, handelt es sich um die ehemalige Schloss-Schmiede. Rechts führt ein Weg in den Wald. Vorbei an einem rechts und einem links liegenden Privathaus (linkerhand die Bienenwiese) erreichen wir den Meiseberger Weg. Diesem nach links folgen. Nach 2 km erreicht man direkt die rechts liegende Margarethenhütte, nach weiteren ca. 2½ km ist die als “Schirm” bezeichnete Wegespinne erreicht, wo ein überdachter Platz zu einer kleinen Rast einlädt. Von hier gehen 5 Wege ab - siehe Karte: nach rechts der Weg zum Armen Heinrich und ins Amtmannstal; halb rechts kommt man zur Bundesstraße B 185 mit Bushaltestelle und weiter zum Sternhaus; halb links geht es zum Meiseberg, der mit seinem nun leider in Verfall begriffenen barocken Jagdschlösschen und einem herrlichen Blick von der Höhe ins Selketal früher ein beliebtes Ausflugsziel war; halb links der Antoinettenweg und schließlich scharf links zurück der Eierkuchenweg in Richtung Leimuferstraße. - Nicht nur das Jagdschloss Meiseberg, auch das hier zusammen laufende Wegenetz und die unterwegs öfter anzutreffenden Rosskastanienbäume erinnern an die früher in den herzoglichen Forsten leidenschaftlich ausgeübte Jagd auf Hirsch, Reh und Schwarzwild. Über den anhalt-bernburgischen Fürsten Victor Friedrich ist in Stenzels Anhaltischer Geschichte von 1820 zu lesen: “Sein Vergnügen bestand in der Jagd.… Es kosteten ihm die Gebäude und Anstalten zur Jagd sehr bedeutende Summen, indem große Landesstriche in den Ballenstädter, Gernroder und Harzge-roder Forsten umstellt und mit hölzernen Gattern eingeschlossen wurden.… Durch das Hegen des Wildes wurden die Unterthanen gedrückt, … so stieg späterhin (1752) im Ballenstädtischen und in Güntersberg, auch in Bernburg, die Unzufriedenheit über die Hegung des Wildes so hoch, daß sie zum offenen Aufruhr ausbrach...” Wir folgen dem Antoinettenweg ins Selketal, dort nach links. Nach wenigen Metern erreicht man auf der Straße, vorbei an einem rechterhand befindlichen Wildgehege das Familien- und Reiterhotel Selkemühle. Von der alten Wassermühle ist nichts mehr erhalten. Die Leimufermühle, wie der alte Name lautete, hatte 1833 zwei Getreidemahlgänge und eine Ölmühle (Lindner, Geschichte und Beschreibung des Landes Anhalt (1833)). Von der Selkemühle aus kann man Ausflüge selkeabwärts nach Meisdorf und zur Burg Falkenstein, auf den Großen Hausberg zur Ruine der Burg Anhalt (Stammburg der Askanier, die dem Land den Namen Anhalt gab), nach Harzgerode und selkeaufwärts nach Mägdesprung unternehmen. Eine empfehlenswerte Möglichkeit, nach Ballenstedt zurück zu kehren, ist eine Wanderung auf dem Selketalstieg talaufwärts nach Mägdesprung und von dort mit dem Bus zurück. In diesem Fall wenden wir uns von der Selkemühle aus nach rechts, überqeren die Selke auf einer alten gewölbten Steinbrücke und folgen dem als “Selketalstieg” gut ausgeschilderten Weg auf der (in Fließrichtung gesehen) rechten Talseite. Nach etwa 2,5 km erreicht man den IV. Friedrichshammer. Hier lädt eine Backstube mit Imbiss und Pension zu angenehmer Rast und Bleibe ein. Das alte Gemäuer ist das letzte der vier zwischen Mägdesprung und der Selkemühle auf einander folgenden Hammerwerke aus der bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts reichenden Zeit der Eisengewinnung und -verarbeitung der im Harzgeröder Bergbau-Revier geförderten Erze. Ausführliche Informationen über den historischen Bergbau im Unterharz bietet das Ballenstedter Heimatmuseum auf dem Schlossplatz. Auf dem Selketalstieg weiter am ehemaligen Forsthaus Scheerenstieg vorüber. Wenn man einige Schritte in das hier mündende Schiebeckstal geht, trifft man linkerhand auf das aus Mägdesprunger Kunstguss gestaltete Mundloch des Herzog-Alexius-Erbstollens. Über ihn werden die Grubenwässer der Harzgeröder Grube “Hoffnung Gottes” gelöst. Die Anlage des heute romantisch neben der Selke hinführenden Stieges geht auf die Arbeitswelt des historischen Bergbaus zurück. Das heutige Naturschutzgebiet beherbergt eine Vielzahl geschützter und teilweise sehr seltener, vom Aussterben bedrohter Pflanzen- und Tierarten. Mit etwas Glück kann man hier bei feuchtem Wetter, besonders in den Morgen- und Abendstunden, dem Feuersalamander begegnen. Zwischen den steilen und wild romantischen Felsenhängen links und der entgegenströmenden Selke rechts erreichen wir zunächst unterhalb der Hammerklippe den III. Friedrichshammer, dann den zweiten und zuletzt den ersten. Wir überqueren eine erst vor kurzer Zeit eingeweihte Holzbrücke, die “Schöne-Brücke” (der Harzgeröder Harzklubvorsitzende Horst Schöne hat sich sehr um die Wiederherstellung der seit vielen Jahren zerstörten Brücke verdient gemacht) und gelangen vorbei am Carlswerk, einem interessanten Industriemuseum der Mägdesprunger Hüttenzeit, nach Mägdesprung. Hier wurden seit dem 16. bis ins 19. Jahrhundert Eisenerze verhüttet. In einer Kunstgießerei entstanden bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts wertvolle Skulpturen von Kleinkunst bis zu großen Plastiken , die an verschiedenen Stellen im Selketal, in Mägdesprung, Alexisbad und Ballenstedt erhalten sind; besonders die schönen Tierplastiken des Kunstmodelleurs J. H. Kureck (1821-1889) sind berühmt geworden. Eine Hirschgruppe von ihm ist gegenüber dem Gasthaus “Kutscherstube” zu bewundern. Wertvolle Holzmodelle aus jener Zeit fielen den Kämpfen der letzten Kriegstage 1945 zum Opfer. Erst 1990 nach der Wiedervereinigung wurde die Mägdesprunger Gießerei, die zuletzt hauptsächlich Gebrauchsgüter und technisches Gerät produzierte, still gelegt. Zur Bushaltestelle neben dem Gasthaus “Kutscherstube” und mit der Q-Buslinie 8 direkt nach Ballenstedt oder mit der Linie 32 nach Gernrode und von dort (umsteigen an der Haltestelle Rathenau-Straße) mit Linie 17 oder 318 nach Ballenstedt, oder - als romantische Variante (besonders wenn es ein Dampfzug ist) - mit der Harzer Schmalspurbahn (Selketalbahn) nach Gernrode und von dort mit dem Bus (Linie 17 oder 318) zurück. Ankunft am Westbahnhof Ballenstedt; von hier durch die Bebelstraße bis zur Allee und auf dieser zum Schlossplatz. - Aus: Ballenstedter Wanderblättchen 2006, Nr. 2 - Dr. Wolfram Babinecz
|
||||||||||||
| © 2005 Tourist-Information Ballenstedt. Webdesign, Programmierung, CMS: webmediawerk | ||||||||||||







