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Ausflugstipps

"Buttlars Grab"
 

Buttlars Grab bei Ballenstedt

 

 

„Wilhelmine von Buttlar  Hofdame auf Schloss Ballenstedt 1767 – 1810„ 
so weist seit Jahrzehnten ein Schild des Harzklub-Zweigvereins Ballenstedt auf ein Bodendenkmal hin, das oberhalb des Amtmannstales in Richtung Frankes Hütte liegt.

Vielen Ballenstedtern ist dieser Grabhügel von ausgedehnten Spaziergängen bekannt. Und von Zeit zu Zeit wurde das Grab mit seiner umfassenden Trockenmauer von beherzten Ballenstedtern und der Stadtverwaltung wieder hergerichtet und so vor dem Verfall bewahrt.

 

Doch was ist vom Leben dieser Frau bekannt?

 

In der Ballenstedter Chronik von 1920 wird nur das Grabmal im Wald und das Sterbedatum „9.Mai 1810“ der „Hofdame der damaligen Herzogin, Fräulein von Buttlar“ erwähnt.

 

Vom Direktor des Städtischen Heimatmuseums Ballenstedt, Eberhard Nier, ist zu erfahren: die Hofdame Wilhelmine von Buttlar war eines von dreizehn Kindern des Oberschenken Wilhelm von Buttlar auf Elberberg. Sie wurde 1767 geboren und verstarb 1810 am Ballenstedter Hof.

 

Wilhelmine von Buttlar war eine Hofdame der Herogin Maria Friederika von Anhalt-Bernburg (1768-1839), der Gemahlin des Herzogs Alexius Friedrich Christian (1767-1834). Die Herzogin nannte sich selbst nur Friederike und ist deshalb leicht mit der Schwiegertochter, der letzten Herzogin Friedrike von Anhalt-Bernburg (1811-1902), zu verwechseln

 

Weitere Einzelheiten aus dem Leben der Wilhelmine von Buttlar sind kaum bekannt.

 

Im Internet präsentiert sich die Familie von Buttlar mit ihrer Historie.
Die Familie derer von Buttlar ist ein hessisches Adelsgeschlecht und stammt aus dem gleichnamigen Ort im thüringischen Ulstertal, der einst zu Fulda gehörte. Der nahe der Grenze zu Hessen gelegene Ort wurde 1815 Teil von Sachsen-Weimar-Eisenach. Die von Buttlar standen in sächsisch-thüringischen und hessischen Diensten.

Das Geschlecht ist weit verzweigt und weist zahlreiche Linien auf. Die Grafen, Freiherren und Herren von Buttlar schlossen sich mit der Satzung vom 8.6.1890 zu einem „Verein des von Buttlarschen Gesamtgeschlechts“ zusammen, der heute noch als Familienverband fortbesteht.

 

Unter den „Bekannten Mitgliedern der Familie von Buttlar“ im Internet, ist aber keine Wilhelmine von Buttlar zu finden. Eine spezielle Anfrage bei der Familie von Buttlar wurde bisher nicht beantwortet.

 

Wie kam nun aber Wilhelmine nach Ballenstedt?

 

Eine Antwort auf diese Frage ist in der „Thüringisch-Sächsischen Zeitschrift für Geschichte und Kunst“, XVIII. Band, II. Heft, 1929 zu finden. Sie steht im unmittelbaren Zusammenhang mit Prinzessin Maria Friederika von Hessen-Kassel.  Der Oberbibliothekar Professor Dr. Philipp Losch aus Berlin-Steglitz veröffentlichte darin einen Aufsatz mit dem Titel: Friederike von Anhalt-Bernburg. Aus dem Leben einer unglücklichen deutschen Fürstin.

 

Erstaunlicherweise gibt es nur wenige Veröffentlichungen, die sich mit dem Leben der Prinzessin von Hessen-Kassel, der Mutter des letzten Herzogs von Anhalt-Bernburg, Alexander Carl (1805-1863), beschäftigen. Stammt doch die Geisteskrankheit des Herzogs aus dem Erbteil seiner Mutter.

 

Maria Friederika von Hessen-Kassel war die älteste Tochter des ersten hessischen Kurfürsten Wilhelm I.(1743-1821). Ihre Mutter Wilhelmine Karoline (1747-1820) war eine Tochter des dänischen Königs Friedrich V. und die Schwester des „irrsinnigen Christian VII.“. Es wird behauptet, dass durch sie das „schwere dänische Blut“ in das anhaltische Haus kam.

 

Wilhelmine von Buttlar war die Jugendfreundin der Prinzessin, die am 29.11.1794 den Erbprinzen und späteren Herzog von Anhalt-Bernburg heiratete Maria Friederika konnte sich aber nur schwer von ihrer Heimat trennen und reiste erst nach langem Drängen der Familie im April 1795 nach Ballenstedt. Sie nahm Ihre Freundin Wilhelmine als Hofdame mit, zu der sie ein sehr enges, freundschaftliches Verhältnis hatte. Beide Frauen empfanden das Leben in Ballenstedt als langweilig, und zu allem Unglück zerfiel die Ehe der Herzogin langsam. Wilhelmine war ihr ein Stück Heimat und eine treue Stütze in den nun folgenden schwierigen Zeiten. So nennt sie die Gefährtin in einem Briefe an ihren Vater: „meine treue Freundin, die meine Einsamkeit teilt“.

 

„Beide Frauen waren empfindsame Naturen, romantischen Schwärmereien und allem Musischen stark zugeneigt.“ So ist es u.a. in einem Zeitungsartikel in „Der Mitteldeutsche“ ( 25.12.1938) zu lesen, dessen Verfasser nicht ersichtlich ist. Ein Zeugnis ihres künstlerischen Schaffens ist im Museum Ballenstedt bewart. Weiter schreibt der unbekannte Verfasser: “So mag Mine von Buttlar, nachdem die tödliche Kugel den Liebsten getroffen hatte, oft einsam im Wald gesessen haben, um von ihm und ihrem verlorenen Glück zu träumen. Der Kummer um den Gefallenen zerstörte ihre Lebenskraft, wie das Unglück ihrer Ehe die Herzogin schließlich dem Irrsinn in die Arme trieb.“

 

Als im Sommer 1810 in Ballenstedt das Scharlachfieber wütete, erkrankte auch Wilhelmine von Buttlar. Vierzehn Tage und Nächte soll die Herzogin nicht vom Bett der Freundin gewichen sein. Ihr letzter Wunsch war es, im offenen Sarg mitten im Wald begraben zu werden, dort, wo sie seit Jahren um ihren Liebsten getrauert hatte. Sie verstarb am 09. oder 10. Mai 1810 (hier gibt es unterschiedliche Angaben) in den Armen der Herzogin und wurde, auf ihren Wunsch hin, im damaligen Wildpark beigesetzt.

(Karl-Heinz Meyer)



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